Graffiti ist Street Art und gehört zu Berlin, wie die Weißwurst zu Bayern. Man begegnet dieser künstlerischen Ausdrucksform nahezu in der gesamten Hauptstadt. Manchmal irritierend, und von wenig Kunstverständnis zeugend, manchmal jedoch auch gekonnt zum Stehenbleiben und Innehalten auffordernd. Vor eben so einem Graffiti steht der Passant oder in diesem Fall Hotelgast, inmitten des sonst so schick und aufgeräumt anmutenden Stadtviertels Berlin-Mitte, genauer gesagt in der Weinmeisterstraße Hausnummer 2. Das Besondere an diesem ausgeprägten Kunstwerk – inklusive kunststoffgepolsterter Tür – ist, dass es den Eingangsbereich eines Berliner Designhotels der besonderen Art markiert: Willkommen in der etwas anderen Welt von „The Weinmeister“.

Alles in diesem Hotel scheint bewusst ein wenig kontrovers inszeniert zu sein, ja vielleicht gewollt berlinerisch und künstlerisch provozierend, jedoch gekonnt in Szene gesetzt und insgesamt hohen Ansprüchen genügend. Die beiden Hoteliers Thomas Tänzer und Elmo Hagendorf wollten damit nach eigener Aussage ihre Bestrebungen unterstreichen, ein „24-hour playground for adults that exclude a seductive draw for film, music and entertainment crowds“ zu sein. Das einer von beiden ein ehemaliger DJ ist, zeigt ein entsprechendes Arbeitsgerät im Eingangsbereich von The Weinmeister. Dieser Raum, nennen wir es Lobby, erinnert eher an ein Labyrinth aus Alice im Wunderland: Farbenfrohe, mannshohe Ohrensessel und Couchen aus Filz nehmen den kompletten niedrigen Raum ein. Rezeption und Hotelbar gehen nahezu nahtlos ineinander über, sodass sich der Neuankömmling direkt einen ersten Drink beim Warten auf den Zimmerschlüssel bzw. die elektronische Einlasskarte genehmigen kann. Vielleicht ist so ein Drink auch als Beruhigung der eigenen Nerven geeignet, denn mit Preisen ab 189 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer, spielt The Weinmeister definitiv in der oberen Berliner Hotelliga mit.

The Modern Art Of Living

Begleitet von elektronischer Musik und einem freundlichen Hotelangestellten gelangt man zum hoteleigenen Treppenhaus, dessen kahle Betonwände mit verschiedenen Wandmalereien verziert sind. Der gläserne Fahrstuhl fährt in eines von insgesamt sechs Stockwerken des Gebäudes. Kurz noch die Karte gezückt, und schon steht man in einem der 84 designten Zimmer: Dunkle Töne, eine freistehende Badewanne sowie ein riesiges Doppelbett, das sicherlich auch gut als Spielwiese für so manche Kommune der 1960er Jahre geeignet gewesen wäre, fallen unmittelbar auf, dessen Rückwand zugleich Raumteiler ist.

Viele angesagte Bars, Clubs, Restaurants und Shops sind in unmittelbarer Nähe und gut zu Fuß erreichbar. Ausspannen kann der oder die party- und shoppingwillige Szenegänger/in anschließend im sechsten Stock des Weinmeister. Hier befindet sich ein kleiner beautySpa, bei dem es vom Airbrush Tanning, über die klassische Massage bis hin zum Peeling unterschiedliche Stressbewältigungsanwendungen gibt.

Für die eigene Körperpflege steht das offen gestaltete Bad im Hotelzimmer, samt großzügiger Regendusche und schmal gebauter Toilette zur Verfügung. Große Plastikflaschen im Duschbereich beinhalten das hoteleigene Shampoo, Duschgel sowie Conditioner. Die Produkte wurden von zwei Berliner Parfümeuren für Sie und Ihn kreiert und tragen den einprägsamen Namen „Love it or leave it“. Der Name ist zugleich Programm, denn bei Gefallen können sie direkt mitgenommen und vor Ort erworben werden.

Eine große Truhe und darüber mehrere freihängende Kleiderbügeln bilden zusammen einen puristischen Kleiderschrank. Entertainment bietet der 27 Zoll große Apple iMac, über den man die eigene Musik vom iPhone oder iPod hören oder sich, dank TV-Adapter, tagesaktuell berieseln lassen kann.

Locken stattdessen schönes Wetter und die Neugierde andere Hotelgäste kennenzulernen, so bietet die Dachterrasse hierfür beste Gelegenheit. Über den Dächern Berlins und mit freiem Blick auf eines der Wahrzeichen der Stadt, den Fernsehturm am Alexanderplatz, lässt sich der Tag bei Loungemusik und einem Bier oder Cocktail an der Terrassenbar bis in den späten Abend hinein genießen.

Frühstück mit Hannah

Zurück zu den Ohrensesseln. Ja genau, wir sind wieder in der eigentümlichen Lobby mit dem hauseigenen DJ-Pult angelangt. Das „Continental Breakfast“ hört hier auf den Namen Hannah und offeriert Frühaufstehern wie Langschläfern reine Bio-Kost, um sich für den kommenden Hauptstadtalltag gesund zu stärken. Allerdings sind die Hotelgäste am Frühstücksbuffet, unmittelbar neben und auf der Hotelbar, auf sich selbst gestellt. Vorab gilt es verschiedene Hürden zu nehmen, um dann endlich den eigenen Hunger stillen zu können: Zu den sportlichen Herausforderungen am Morgen gehören Eier in einer Art Toaster zu kochen (in der Hoffnung, dass kein anderer Hotelgast sich dieser anschließend bemächtigt), den frisch gepressten Orangensaft mit modernster Maschinerie selbst zuzubereiten sowie – und das ist definitiv die Königsdisziplin – die eigenen Waffeln nicht à la casa verbrannt zu backen. Die restlichen Speisen sind zwar leichter zu erlegen, jedoch mit einem konventionellen Frühstücksbüffet vergleichbar.

Fazit

The Weinmeister bietet internationalen Szenegängern, junggebliebenen Businessleuten und hippen Haupstadtflaneuren eine interessante Wohnalternative in modernem Ambiente und einem der angesagtesten Stadtviertel Berlins. Familien gehören jedoch definitiv nicht zur Zielgruppe des Designhotels, und die Preise spiegeln leider nicht immer die Highclass-Bestrebungen des Hauses wider. Dennoch lohnt sich ein Besuch des Weinmeister, wenn man das neue, international geprägte und kreative Berlin voll und ganz auskosten mag.

The Weinmeister
Weinmeisterstraße 2
10178 Berlin
Telefon:
+49 30 755 667 0

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Über den Autor

Sascha Ihns, selbstständiger Kommunikationsberater und freier Journalist, berät Unternehmen in den Branchen Film, High-Tech, IT, Lifestyle und Unterhaltungselektronik bei ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Des Weiteren schreibt Ihns über aktuelle Medienthemen und befasst sich mit strategischer Online-Kommunikation sowie Social-Media-Projekten. Im Vorstand der Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Journalistenverbandes sowie als Mitglied des internationalen PresseClubs in München engagiert sich Sascha Ihns für die Belange von PR und Journalismus gleichermaßen.

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